Besonders ernst wird die Situation, wenn dauerhaft oder nach der Futteraufnahme stark erhöhte Insulinwerte die Entstehung einer endokrin bedingten Hufrehe begünstigen. Die Kontrolle der gesamten Fütterung ist deshalb bei einem EMS-Pferd ebenso wichtig wie ein individuell abgestimmter Weidegang.
EMS, Hufrehe und Pferdeweide: Erfahrungen vom Abfalterhof

Stoffwechselprobleme gehören am Abfalterhof zum Alltag
Eine grüne Pferdeweide steht für viele Menschen sinnbildlich für eine natürliche und artgerechte Pferdehaltung. Für Nina vom Abfalterhof in Kematen ist das Thema deutlich komplexer. Auf ihrem Betrieb betreut sie auch Pferde, die aufgrund von Stoffwechselproblemen besondere Anforderungen an Fütterung, Haltung und Weidegang stellen.
Dazu gehören Pferde mit dem Equinen Metabolischen Syndrom, kurz EMS, sowie Tiere mit einer erhöhten Hufrehegefährdung. Gerade bei diesen Pferden reicht es nicht aus, die Koppeltür zu öffnen und den Weidegang sich selbst zu überlassen.
Die entscheidenden Fragen lauten vielmehr: Welche Gräser wachsen auf der Fläche? In welchem Zustand befindet sich die Grasnarbe? Wie stark wird die Weide belastet? Und passt der Weidegang überhaupt zur gesundheitlichen Situation des einzelnen Pferdes?
EMS beim Pferd beginnt nicht erst mit sichtbaren Beschwerden
Das Equine Metabolische Syndrom ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der vor allem die Regulation des Insulins gestört ist. Häufig betroffen sind leichtfuttrige und übergewichtige Pferde. Doch auch äußerlich unauffällige Tiere können eine Insulindysregulation entwickeln.
Typische Hinweise können auffällige Fettpolster sein, etwa am Mähnenkamm, an der Schulter oder im Bereich der Schweifrübe. Auch Schwierigkeiten beim Abnehmen und wiederkehrende Hufrehe können mit EMS zusammenhängen.
Eine sichere Diagnose kann jedoch nicht allein anhand des äußeren Erscheinungsbildes gestellt werden. Dafür sind eine tierärztliche Untersuchung und geeignete Tests notwendig.
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Die grüne Koppel kann zur unterschätzten Futterquelle werden
Weidegras ist kein gleichbleibendes Futtermittel. Seine Zusammensetzung verändert sich mit der Witterung, der Jahreszeit, der Tageszeit, dem Entwicklungsstadium und dem Zustand der Pflanzen.
Auch die aufgenommene Menge wird häufig unterschätzt. Pferde können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen Gras fressen. Bei einem Pferd mit EMS, Insulindysregulation oder einer früheren Hufrehe kann unkontrollierter Weidegang deshalb ein gesundheitliches Risiko darstellen.
Eine sattgrüne Fläche ist nicht automatisch für jedes Pferd geeignet. Umgekehrt ist eine kurz abgefressene oder trockene Koppel nicht automatisch ungefährlich. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Pflanzenbestand, Zuckergehalt, Grasaufnahme und individueller Empfindlichkeit des Pferdes.
Fruktan ist nur ein Teil des Gesamtbildes
Im Zusammenhang mit Hufrehe und Pferdeweide fällt häufig der Begriff Fruktan. Fruktane sind Speicherkohlenhydrate, die in Gräsern vorkommen. Ihr Gehalt kann sich abhängig von Pflanzenart, Licht, Temperatur, Wasserversorgung und Wachstumsbedingungen verändern.
Für Pferde mit Stoffwechselproblemen sollte der Blick allerdings nicht ausschließlich auf Fruktan gerichtet werden. Auch andere wasserlösliche Kohlenhydrate und die gesamte Zuckeraufnahme über Gras, Heu und ergänzende Futtermittel spielen eine Rolle.
Für die Praxis bedeutet das: Eine vermeintlich fruktanarme Pferdeweide ist kein Freifahrtschein für unbegrenzten Weidegang. Ebenso wenig lässt sich das Hufreherisiko allein an einer bestimmten Tageszeit oder an einzelnen Wettermerkmalen festmachen.
Der Begriff „fruktanarm“ sollte daher immer im Zusammenhang mit dem gesamten Weide- und Fütterungsmanagement betrachtet werden.
Der Pflanzenbestand entscheidet bereits vor dem ersten Weidetag
Für Nina begann die Entwicklung ihrer Pferdeweiden nicht erst mit der täglichen Nutzung. Bereits bei der Auswahl der Saatgutmischung stellte sich die Frage, welcher Pflanzenbestand langfristig zu den Pferden und zur Nutzung des Betriebs passt.
Eine klassische Grünlandmischung verfolgt nicht zwangsläufig dieselben Ziele wie eine Mischung für Pferdeweiden. Während im landwirtschaftlichen Grünland häufig Ertrag und Futterleistung im Vordergrund stehen, sind auf Pferdeweiden weitere Eigenschaften gefragt.
Die Pflanzen sollten
- zur Nutzung und zum Standort passen,
- eine belastbare Grasnarbe fördern
- und mit dem tiefen Verbiss sowie der hohen Trittbelastung durch Pferde zurechtkommen.
Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, welche Pferde die Fläche nutzen sollen. Auf dem Abfalterhof wurde deshalb bewusst eine auf Pferde ausgerichtete Saatgutmischung gewählt.
Kurzes Gras bedeutet nicht automatisch weniger Zucker
Eine stark abgefressene Pferdeweide wirkt auf den ersten Blick energiearm. Schließlich steht nur noch wenig sichtbare Pflanzenmasse zur Verfügung. Genau diese Einschätzung kann jedoch täuschen.
Pferde fressen auf kurzen Flächen besonders dicht am Boden und suchen gezielt nach jedem erreichbaren Halm. Gleichzeitig stehen stark verbissene Pflanzen unter erheblichem Stress. Ihre Blattfläche reicht kaum aus, um ausreichend Energie für Wachstum und Regeneration bereitzustellen.
Die Folgen betreffen nicht nur die Fütterung. Durch den dauerhaften Tiefverbiss wird die Grasnarbe geschwächt, offene Bodenstellen entstehen und unerwünschte Pflanzen erhalten mehr Raum. Bei Trockenheit oder intensiver Trittbelastung verschärft sich das Problem zusätzlich.
Am Abfalterhof gilt deshalb eine klare Regel: Ist eine Fläche zu stark abgefressen, bekommt sie eine Pause. Die Pferde werden vorübergehend von der Koppel genommen, damit sich der Bestand erholen kann.
Eine dichte Grasnarbe wird zum stillen Sicherheitsfaktor
Die Qualität einer Pferdeweide zeigt sich nicht allein an der Höhe des Aufwuchses. Mindestens ebenso wichtig ist eine geschlossene und belastbare Grasnarbe.
Lücken im Bestand erhöhen das Risiko für Trittschäden, Bodenverdichtung und die Ausbreitung unerwünschter Pflanzen. Gleichzeitig fällt es geschwächten Flächen schwerer, sich nach Trockenheit oder intensiver Nutzung zu regenerieren.
Eine dichte Grasnarbe entsteht nicht durch eine einmalige Einsaat. Sie muss durch angepasste Nutzung, rechtzeitige Weidepausen, Nachsaat bei Bedarf und eine standortgerechte Pflege erhalten werden.
Genau darin liegt eine zentrale Erfahrung vom Abfalterhof: Pferdeweidepflege ist keine Einzelmaßnahme, sondern ein fortlaufender Prozess.
Fünf Grundsätze für Pferde mit EMS oder Hufreherisiko
Tierärztliche Einschätzung einholen
Vor dem Weidegang sollte geklärt werden, ob und in welchem Umfang das betroffene Pferd Gras aufnehmen darf.
Grasaufnahme kontrollieren
Weidezeit, Flächengröße und Fressverhalten müssen gemeinsam betrachtet werden.
Pflanzenbestand beobachten
Die Zusammensetzung und der Zustand der Pferdeweide beeinflussen deren Nutzung.
Überweidung vermeiden:
Stark abgefressene Flächen benötigen eine konsequente Ruhephase.
Gesamte Fütterung berücksichtigen:
Weidegras ist nur ein Teil der täglichen Aufnahme. Heu, Kraftfutter, Ergänzungsfutter und Leckerlis gehören ebenfalls in die Bewertung.
Das Fazit vom Abfalterhof
Bei EMS und Hufrehe spielt die Pferdeweide eine wichtige Rolle, doch einfache Lösungen gibt es nicht. Weder eine bestimmte Grassorte noch eine feste Tageszeit können das individuelle Risiko vollständig kontrollieren.
Die Erfahrungen vom Abfalterhof zeigen, worauf es in der Praxis ankommt:
- Pflanzenbestand kennen
- Überweidung vermeiden
- Grasaufnahme begrenzen
- Jedes Pferd individuell betrachten
Eine geeignete Pferdeweidemischung schafft dafür eine wichtige Grundlage. Dauerhaft erfolgreich wird sie jedoch erst durch eine konsequente Pflege und ein Weidemanagement, das auf veränderte Bedingungen reagiert.
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Autor: Markus Schwarzenberger | Veröffentlicht am 17.09.2026











